Nähanleitungen

Ein Stoffkörbchen für Alles: das Utensilo

22. Oktober 2020

In diesem Beitrag widmen wir uns einem Näh-Klassiker, der sehr gut für Nähanfänger geeignet ist: das Utensilo. Es stärkt Euch im Umgang mit der Nähmaschine und dem allgemeinen Handling mit Stoffen und Nähzubehör. Man kann die Maße des Utensilos individuell für seine Bedürfnisse anpassen (Grundform ist ein Rechteck). Die Berechnung der Stoffzuschnitte je nach Größe des Utensilos findet ihr sehr gut in einem Video erklärt von der lieben Gabriele von Congabaeren: Link zum Video hier.

Falls Euch das Video jedoch verwirrt oder durcheinander bringt kann ich Euch per PN meine Excel Datei zur Verfügung stellen, wo ihr nach Belieben die gewünschten Maße berechnen lassen könnt.

Allgemein ist ein Utensilo ein Stoffkörbchen bestehend aus einem Außenstoff und einem Innenstoff meist unterschiedlicher Farbgebung mit oder ohne Muster/Motiv:

Maße: 25 x 16 x 15 (B x H x T)

Materialien – was ihr benötigt:


Stoffe – das A und O:

Unser Utensilo hat ungefähr die Größe eines Brotkorbs und entspricht den Maßen des o.a. Beispiels. Ihr benötigt folgende Stoffmaße für den Außen- und Innenstoff

Außen- und Innenstoff: Maße: L: 82cm x H: 26cm (incl. NZ) in einer Farbe mit/ohne Muster eurer Wahl

In der Anleitung verwende ich folgende Stoffe:

Stoff A: Baumwolle in weiß mit terrafarbenen Tupfen

Der schöne Baumwollstoff kommt von Rapantinchen aus ihrem Online-Shop und aus der Kollektion „Oh Safari“, der leider ausverkauft ist. . Anja von Rapantinchen stellt individuelle kleine Stoffkollektionen zusammen, die in Farbe und Muster so perfekt harmonieren, dass man jedesmal schwach wird und sein Portmonnaie plündern könnte. Schaut gerne auf ihrer Webseite oder Instagram-Profil vorbei! Es lohnt sich, denn sie gibt auch Tipps und Tricks zu verschiedenen Nähthemen, in ihrem Blog für Anfänger und Fortgeschrittene, weiter.

Stoff B: Baumwolle in rostorange

Passend zu Stoff A habe ich einen rostorangen Baumwollstoff ohne Muster gewählt, der perfekt mit dem schönen Stoff von Rapantinchen harmoniert. Ich habe den Stoff aus einem Stoffladen namens Stoffknirps hier aus meinem Wohnort Leverkusen.

Stoff C: Volumenvlies H630 zum Aufbügeln und zur Verstärkung des Außenstoffes

weiteres Zubehör – je nach Belieben:

  • Schneidematte (wenn ihr den Rollschneider benutzt)
  • Maßband
  • Stecknadeln oder Wonderclips
  • Rollschneider oder Stoffschere
  • Stoffmarker oder Schneiderkreide bzw. Markierhilfe (wenn nötig)
  • langes Lineal ( gr. Geodreieck oder Patchwork-Lineal)
  • passendes Nähgarn => hier in Benutzung: Gütermann Allesnäher 200m in der Farbe Col. 285
  • Nähnadel (später für die Wendeöffnung, wenn gewünscht)
  • Volumenvlies H630 zum Aufbügeln (zur Verstärkung des Außenstoffs)


Utensilo – Anleitung


1. Stoff zuschneiden

Schneidet eure Stoffteile aus eurem gewählten Stoff in den o.a. oder selbst gewählten Maßen zu.

Hinweis und Tipp: Legt den Stoff doppelt und mit dem Stoffbruch an der Seite. Beachtet dabei den Fadenlauf, der parallel zur Webkante und in dem Fall auch parallel zum Stoffbruch ist. Die Länge der Stoffteile wird daher halbiert – d.h. anstatt 82cm nur 41cm.

Diese Variante hat den Vorteil nicht den gesamten Stoff ausbreiten zu müssen (gerade bei einem kleinen Tisch). Ich schneide die Stoffe mit Hilfe eines „Schnittmusters“ zu…einer passenden zurechtgeschnittenen Holzplatte aus dem Baumarkt. Zum „Ausschneiden“ nutze ich den Rollschneider und kann an den Kanten der Holzplatte entlang präzise zuschneiden. Dies erspart mir Arbeit mit dem Lineal exakt die Maße zu nehmen und ich habe auch keine schiefen Kanten.

Ihr könnt natürlich den Stoff komplett auslegen und per langem Lineal und/oder großem Geodreieck nach euren Maßen zuschneiden. Wie Ihr es für Euch selbst besser und komfortabler findet. =)

Stoffzuschnitt mit Holzplatte und Rollschneider

Legt eure zurecht geschnittenen Stoffe vor Euch mit der rechten Stoffseite (die schöne oder bemusterte Seite) nach oben auf den Tisch.

2. Außenstoff verstärken

Schneidet das Volumenvlies in den gleichen Maßen wie den Außenstoff zu und bügelt das Vlies, per Druck und mit viel Dampf, auf die linke Seite (Innenseite) des Außenstoffes.

Hinweis und Tipp: Beachtet dabei, dass ihr die richtige Vliesseite auf euren Stoff legt und nicht mit dem Bügeleisen auf die mit dem Kleber versehene Seite kommt.

Außenstoff verstärkt mit Volumenvlies

3. Außen- und Innenstoff zusammennähen:

In diesem Schritt werden Stoff A (Außenstoff) und Stoff B (Innenstoff) zusammengenäht. Legt euren Innenstoff rechts auf rechts auf den Außenstoff.

rechts auf rechts aufeinanderlegen

Falls ihr ein eigenes Logo oder Stofflabel anbringen wollt, haltet Dies zur weiteren Verarbeitung bereit. Fixiert die obere Kante mit Wonderclips oder Stecknadeln und näht die lange Kante mit einem Geradstich (Stichlänge 3) füßchenbreit zusammen.

Hinweis und Tipp: Beachtet beim Zusammenlegen des Außen- und des Innenstoffes auf die Ausrichtung des Motivs bzw. des Musters. Das Muster sollte von oben nach unten verlaufen, wenn ihr den Stoff vor Euch liegen habt.

Fixieren der langen Kante mit Wonderclips
Füßchenbreites Nähen der Stoffe

Füßchenbreit: ihr werdet bei Nähanleitungen häufig über das Wort füßchenbreit stolpern. Dies bedeutet, dass die Kante des Nähfußes bündig mit der Kante des Stoffes abschließt, wie im o.a. Beispielbild. Der Abstand von der Kante zur Nadel entspricht ca. 1cm (die zugegeben Nahtzugabe).

4. Ein Logo oder Label anbringen

Klappt nach dem Zusammennähen die Teile auseinander und platziert Euch bei Bedarf euer Logo/Label an die gewünschte Position am Außenstoff.

Beachtet bei der Position, dass euer Label nicht direkt am Rand vernäht wird, da Dies sonst am Ende auf der Seite zu sehen ist und nicht wie gewünscht auf der vorderen Seite. Nehmt vom seitlichen Rand die halbe Maße euer Tiefe vom Utensilo plus 2-3cm mehr. In unserem Beispiel bedeutet dies: (15cm / 2) + 3cm = 10,5cm

Damit euer Logo nicht zu hoch an der Vorderseite positioniert nehmt Ihr von der oberen Kante bzw. der genähten Naht die Endhöhe minus 3-4cm, abhängig von der Größe eures Logos. In unserem Beispiel bedeutet dies: 16cm – 4cm = 12cm

ausgeklappte Stoffteile und platziertes Logo

Das Label mit einem Gerad- oder Zick-Zackstich am Außenstoff befestigen. Wenn nicht testet diesen Schritt an einem Reststoff aus. Habt ihr kein Logo geht es für Euch direkt weiter mit Schritt 5.

Logo mit Zick-Zackstich

5. Zusammennähen und Wendeöffnung

Nun werden die Stoffteile so aufeinander gelegt, dass der Außen- und Innenstoff jeweils rechts auf rechts wie im unten angegebenen Bild gelegt werden.

Stoffteile rechts auf rechts legen

Die Stoffteile werden so aufeinander gelegt, dass sie an der Stoffkante jeweils miteinander abschließen. Es ist darauf zu achten, dass Naht auf Naht gelegt wird (siehe unten). Die Stelle wird als Erstes mit einer Klammer oder Steckandel fixiert.

Naht auf Naht legen

Anschließend wird an der oberen Kante des innenstoffes mit einem Trick-Marker oder Kreide zwei Markierungen in einem Abstand von ca. 8-10cm gesetzt. Dies ist die Wendeöffnung durch die später euer Utensilo gewendet wird.

Markierungen setzen

Nun werden die Stoffteile mit Stecknadeln oder Wonderclips fixiert und danach mit einem Geradstich und einer Stichlänge von 3 rundherum vernäht. Dabei wird die Wendeöffnung ausgespart.

Fixieren mit Wonderclips
Zusammennähen und Aussparen der Wendeöffnung

6. Vorbereiten der Ecken

Nun werden die Ecken für das Utensilo vorbereitet. Dazu habe ich mir eine Schablone vorbereitet. Die Tiefe des Utensilo beträgt am Ende 15cm. Die Maße des Quadrates betragen 7,5cm x 7,5cm, der Hälfte der Endtiefe. Ihr legt das Quadrat an der Naht entlang an und markiert mit einem Trick-Marker das Quadrat auf euren Stoff. Diesen Vorgang macht ihr an jeder Ecke auf jeder Seite eures Stoffes.

Anlegen des Quadrates auf der einen Seite
Anlegen des Quadrates auf der anderen Seite
gezeichnete Quadrate auf Stoff
Quadrate auf jeder Seite

7. Ecken aus- und bearbeiten

Nach dem Setzen der Quadrate werden die Ecken ausgearbeitet. Dazu nehmt ihr die inneren Ecken der Quadrate von jeder Seite und zieht sie auseinander. Die unteren Linien der Quadrate jeder Seite treffen dabei aufeinander und bilden eine Gesamtlinie. Anschließend wird die Ecke ober- und unterhalb der Markierung mit Stecknadeln oder Wonderclips fixiert.

Zum besseren Verständnis hab ich von diesem Schritt ein Video für Euch bereit gestellt.

Hinweis und Tipp: Legt zum Ausarbeiten und Fixieren die Ecke flach auf den Tisch damit sich keine Beulen oder Wellen bilden. Entscheidet Euch auch in welche Richtung die Nahtzugabe zeigen soll.

Ecke ausarbeiten und fixieren

8. Ecken vernähen & Utensilo wenden

Habt ihr eure Ecken wie im vorherigen Schritt beschrieben ausgearbeitet, wird mittels eines Geradstiches und einer Stichlänge von 3 genau auf der Linie die Steppnaht gesetzt.

Danach wird ca. 1cm von der Naht entfernt die Ecke abgeschnitten. TRAUT EUCH!! Ihr werdet das Utensilo nicht zerstören oder irgendeine Naht durch diesen Schritt öffnen. Verwendet dafür eine geeignete Stoffschere.

1cm von der Naht entfernt
Ecke abschneiden

Nachdem die Ecken an allen 4 Stoffecken abgeschnitten sind, wird das Utensilo nun endlich durch die Wendeöffnung auf die rechte Stoffseite gewendet.

Wenden auf die rechte Stoffseite
gewendetes Utensilo

9. Wendeöffnung schließen

Arbeitet nach dem Wenden mit Hilfe eines Essstäbchens oder eines anderen Hilfsmittels die Ecken ordentlich aus.

Ecken ordentlich ausarbeiten

Die Nahtzugabe der Wendeöffnung wird nach innen geklappt, mit Hilfe des Bügeleisen glatt ausgearbeitet und mit Stecknadeln oder Wonderclips fixiert.

glatt ausarbeiten mittels eines Bügeleisens
Fixieren der Wendeöffnung

Nun wird die Wendeöffnung knappkantig mit einem Geradstich verschlossen.

Hinweis und Tipp: Für das knappkantige Nähen gibt es einen passenden Nähfuß (Nähfuß mit Kantenführung), der bei eurer Nähmaschine beiliegt oder optional gekauft werden muss. Ist der Nähfuß nicht in der Nähfußsammlung vorhanden, so haltet ihr Euch an den Markierungen auf dem normalen Nähfuß oder an der Nadel.

Falls ihr die Naht am Ende nicht sehen wollt gibt es noch die Möglichkeit die Wendeöffnung mittels eines Leiter- oder Matratzenstichs zu schließen. Diese Naht ist am Ende nicht sichtbar und man könnte meinen Ihr hättet Zauberhände. Sie wird auch Zaubernaht oder unsichtbare Naht genannt.

Hier ist eine Anleitung zum Matratzenstich von der lieben Franzi von „AYE AYE DIY“.

10. Fertig!

Der Innenstoff wird nun ins Innere des Utensilos gestülpt und die Naht ordentlich umgelegt. Damit die Naht fest und besser liegt könnt ihr ein Bügeleisen zur Hilfe nutzen.

Fertig ist das Utensilo und Ihr könnt nun fleißig Sachen darin verstauen. Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten der Nutzung und auch alternative Größen.

Nun wünsche Ich Euch viel Spaß beim Erstellen eurer individuellen Utensilo in allen Formen und Mustern!!

Danke Euch fürs Lesen und Nachmachen!

Eure Steffi von

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